Redebeitrag der linksjugend [’solid] am 20.02.10

Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten,
Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten.
Ich möchte mich für euer zahlreiches Erscheinen bedanken. Wieder einmal ist es uns in
Dresden letzte Woche gelungen, den Nazis die Stirn zu bieten und mit Erfolg ihre Routen
zu blockieren.
Doch nicht nur in Dresden mussten wir gegen die Geschichtsverklärung der Nazis
kämpfen. Auch in Pforzheim versucht seit 1994 die rechtsradikale Vereinigung
„Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ Deutschland in die Opferrolle zu drängen.
Natürlich vergessen sie gerne, wer mit der absichtlichen Bombardierung von Zivilisten
angefangen hat.
Ich möchte in meinem kurzen Redebeitrag auf die Benutzung von „demokratischem“
Mainstream und linker Politik durch Neonazis aufmerksam machen.
Nazis versuchen schon seit geraumer Zeit Wähler und Mitglieder anderer politischer
Spektren für sich einzunehmen. Sie erdreisten sich sogar, die rote Fahne auf
Demonstrationen zu hissen, da sie sich als einzig wahre Sozialisten betrachten.
Leider gehen sie noch viel weiter.
Sie marschieren heute gerne mit Che Guevara T-Shirts auf, die mit dem Spruch
geschmückt sind: „Heute wäre Che bei uns“. Doch warum tragen Nazis ausgerechnet
dieses T-Shirt, eines der Symbole linken Kleidungsstils?
Dies tun sie, da sie Che als national-revolutionären Freiheitskämpfer sehen, ohne auch
nur einmal seinen Kampf gegen Faschismus, Kapitalismus und Unterdrückung zu
erwähnen!!!
Schon oft hat man vor Naziclubs oder Läden, wie den Club 88, den Rosa Luxemburg-
Spruch „Die Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden“ lesen müssen. Doch diese
Freiheit gewähren wir ihnen NICHT!
Die Kopiererei vom Kleidungsstil des autonomen Black Blocks oder das Verwenden von
Antifafahnen mit nationalsozialistischer Aufschrift sind nur wenige Beispiele.
Doch Symbolik reicht ihnen nicht. Auch linkspolitisches Denken, wie Antiglobalisierung
und Kapitalismuskritik verbinden sie mit ihrem menschenverachtenden Weltbild.
Sie behaupten neuerdings sogar, ein Teil der Friedensbewegung zu sein. Dazu würde ich
gerne Udo Vogt, Vorsitzender der NPD, zitieren. Jener Mann, der behauptet hat, es wären
in Auschwitz nur 350 000 Juden ermordet worden.
„Wir Nationaldemokraten haben als einzige politische Kraft in Deutschland von Anbeginn
an ein klares Nein zum Krieg mit der Forderung verbunden, kein deutsches Blut für
fremde Interessen einzusetzen. Wir Nationaldemokraten betrachten uns heute als ein Teil
der Friedensbewegung.“
Dies sollten nur Beispiele sein, wie Nazis versuchen, Linken und anderen Demokraten
den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Wir sollten dieses Treiben mit Sorge beobachten und dem entgegenwirken.
Die Front Deutscher Äpfel, eine antifaschistische Künstlergruppe, tut dies schon seit
Jahren, indem sie Nazisymbolik benutzen und parodieren.
So predigen sie „Südfrüchte Raus!“ oder die „Reinerhaltung des deutschen
Obstbestandes“.
Ein gutes Beispiel, wie sich Antifaschismus und Spaß verbinden lässt.
Zum Ende meines Redebeitrags möchte ich alle Anwesenden und Nazis, die mich hören,
an den Schwur von Buchenwald erinnern:
„Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Apellplatz, an dieser Stätte des
faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn der letzte Schuldige vor den
Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere
Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das
sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen, schuldig.“
Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg!!!