Ab April muss die „Alte Fabrik“ ihre Tore schließen. Unser Mietvertrag endet am 30. April 2014 und wird nicht verlängert, da der Eigentümer – finanziell gefördert durch die Stadt Pforzheim – das Gebäude Ende des Jahres abreißt.

Die „Alte Fabrik“: Hier treffen sich Menschen im Alter von 12 bis 50 Jahren und tauschen sich aus. Jeden Monat gibt es ein Programm, das von gemütlichen Café-Nachmittagen, Essen auf Spendenbasis und Spieleabenden, bis hin zu einem regelmäßigen Thresenabend reicht. Dort haben die Leute die Möglichkeit an politischen Veranstaltungen, wie Diskussionsrunden oder Workshops, teilzunehmen. Außerdem trifft sich regelmäßig die Kindergruppe der „Sozialistischen Jugend – Die Falken“, sowie diverse andere politische Gruppen in diesen Räumen, die sonst nicht in der Lage wären, die Kosten für eigene Räume aufzubringen. Zudem gibt es die Möglichkeit, ein für alle zugängliches Büro, mit Drucker und freiem Internetzugang, zu nutzen. Die Alte Fabrik ist auch ein Anlaufpunkt für Musiker und andere Künstler.

All das schaffen wir uns selbst! Jeden Tag bringen sich Menschen selbsständig in der “Alten Fabrik” ein und erhalten so die sozialen Strukturen aufrecht. Wir wollen keine bezahlten Dienstleistungskräfte, welche die anfallenden Aufgaben erledigen. Wir sind der Überzeugung, dass selbstorganisierte Strukturen nur entstehen, wenn sie nicht vorgegeben sind. Deshalb versuchen wir uns auch selbst durch Spenden und Veranstaltungen zu finanzieren.

Die ehemalige Schmuckfabrik „Maschinen Pfeifer“ stand seit nunmehr 30 Jahren leer und ist dem Verfall nahe. In Eigenintiative renovierten wir die zwei Räume im Erdgeschoss. Dabei mussten wir Wasser- und Stromleitungen verlegen, den Boden schleifen, die Wände streichen, gipsen und verputzen. Da das baufällige Gebäude keine Heizung hat, mussten wir Holzkohleöfen installieren. Zudem bauten wir eine Theke und gestalteten einen von zwei Räumen als Café, das über ein großes Schaufenster verfügt. Auch dabei standen uns nur spärliche Spenden zur Verfügung und letztlich wurde viel aus eigener Tasche bezahlt.
Bereits kurz nach der Einweihung der Alten Fabrik bemerkten wir, dass zwei Räume für die vielen verschiedenen Interessen der Nutzer/innen niemals ausreichen würden.

Auf 40 m² Fläche befinden sich sowohl ein kleines Büro und eine Bibliothek, als auch eine Küche und ein Umsonst-Laden. Desweiteren wird der Raum als Mehrzweckraum für diverse Versammlungen oder einfach nur als Aufenthaltsraum genutzt. Hinzu kommt, dass die Räume nicht isoliert sind und es im Winter kaum möglich ist diese – mit den Kohleöfen – ausreichend zu heizen. Mal abgesehen vom Wohlfühlfaktor, ist dies auch aus ökologischer Sicht sehr grenzwertig.

Es ist unser zentrales Anliegen, einen selbstverwalteten Raum in Pforzheim zu haben. Nur so können subkulturelle Strukturen, abseits von gesellschaftlichen Normen, entstehen. So wollen wir auch einen Schutz­raum vor all­täg­li­chen Dis­kri­mi­nie­rungen (Ras­sis­mus, Se­xis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus, Ho­mo­pho­bie usw.) bieten und ein Zu­sam­men­kom­men un­ab­hän­gig vom Geld­beu­tel er­mög­li­chen. Dabei spielen natürlich die uns zur Verfügung stehenden Räume eine große Rolle, in denen die verschiedenen Interessen und Ansprüche der Nutzer/innen zwangsläufig kollidieren, je kleiner diese sind.

Somit benötigen wir mehr Raum für eine subkulturelle Vielfalt, wo alternative Künstler kreativ werden können. Außerdem brauchen wir Räume in denen Kinder – und Jugendgruppen einen Gestaltungsspielraum haben, um sich zu entfalten. Wir wollen uns versammeln und organisieren können, ohne dafür horende Mietkosten zahlen oder irgendwelche Auflagen berücksichtigen zu müssen. Wir wollen unseren eigenen Raum gestalten, in dem sich soziale Strukturen bilden und gesellschaftliche Bewegung zulassen.

Stehen uns bis Mai keine neuen Räume zur Verfügung, riskiert man, dass die neu entstandenen sozialen Strukturen zusammenbrechen, die in den letzten Jahren das Stadtleben bereichert und so vielen Menschen eine Möglichkeit zur Entfaltung geboten haben.

Unterstützt das Projekt „Mehr Raum für Bewegung“ durch Spenden, Unterschriften und/oder Eigeninitiative!

Aktuelle Infos gibt es auf der Kampagnenhomepage www.mehr-raum.org und zu den Öffnungszeiten in der Alten Fabrik