Warum gegen ACTA?

Zugegebenermaßen ist der Kampf gegen ACTA nicht fortschrittlich. Es handelt sich wie so oft vielmehr um einen Verteidigungskampf gegen rückschrittliche Kräfte. Wie zum Beispiel auch der Kampf gegen Nazis führt er nicht zu einer besseren Gesellschaft, sondern soll eine schlimmere Gesellschaft verhindern.
Neben dem Mangel an Demokratie, der Intransparenz beim Erstellen des Vertrages und natürlich den neu erschaffenen Überwachungsmöglichkeiten, über die sich die meisten hier anwesenden Gruppen und Einzelpersonen völlig zu Recht aufregen, möchten wir mit diesem Flugblatt eine weitere Perspektive einbringen, die gegen ACTA spricht.

Leider sieht die Welt, in der wir heute leben, nicht so aus, wie wir es gerne hätten. Wenn Menschen die Freiheit, die sie haben, auch verwenden möchten, müssen sie dafür in den meisten Fällen Geld bezahlen. Menschen, die kein Geld haben, können sich diese Dinge logischerweise nicht leisten und deswegen auch nicht nutzen.
Als sozialistischer Jugendverband haben wir das Ziel einer Gesellschaft, in der es möglichst viele für alle zugänglichen Güter gibt. Konkret heißt das, dass beispielsweise so viele Menschen wie möglich ein Freibad benutzen können, ohne dafür bezahlen zu müssen. In einer solchen Gesellschaft würden die Menschen, die Güter verwenden, auch gemeinsam über sie bestimmen. Viele Güter würden also allen bzw. niemandem „gehören“ (dass das nicht die Zahnbürste, das Bett und ähnliche Dinge betrifft, versteht sich von selbst).

Ob eine solche Welt nun erstrebenswert ist oder nicht, ist eine Frage, über die wir gerne diskutieren. Tatsache ist, dass auch sie nicht das Paradies wäre und dass man sich über die Frage, wer was wann verwenden darf, in manchen Fällen schwerer und in anderen Fällen leichter einigen könnte. Natürlich kommt es dabei darauf an, wie oft etwas zur Verfügung steht. Am leichtesten könnte man sich dabei bei Dingen einigen, die unendlich oft zur Verfügung stehen. Ob und wie sich dies bei materiellen Dingen realisieren ließe, ist eine Frage, über die sich schon viele den Kopf zerbrochen haben und die uns jetzt nicht weiter kümmern soll. Wo es aber definitiv der Fall ist, sind Daten. Man kann sie leicht so oft vervielfältigen, dass mehr als genug für alle da sind.

Da die Gesellschaft, in der wir leben, aber nicht von dem Prinzip geprägt ist, dass möglichst viele Menschen möglichst viel haben, ist dieser Vorteil, den die Daten haben, für viele kein Vorteil, sondern ein Dorn im Auge. Ein ominöses „geistiges Eigentum“ soll garantieren, dass theoretisch unendlich oft vorhandene Dinge nicht unendlich oft genutzt werden können. Der Grund dafür ist, dass zum Beispiel Musik nicht gespielt werden soll, damit andere sie hören können, sondern nur, um damit Geld zu verdienen. Wäre dieses im Grunde entmenschlichende Prinzip eine Krankheit, so wäre das „geistige Eigentum“ der Eiter, der aus den Körperöffnungen fließt und die ganze Widerlichkeit dieser Krankheit offen demonstriert.

Statt den Vorteil der Möglichkeit zur unendlichen Vervielfältigung zu nutzen, soll auf Biegen und Brechen ein künstlicher Mangel erschaffen werden, mit dem sich Geld verdienen lässt. Das Internet soll also zu dem gemacht werden, was die reale Welt heute schon ist. Als eine der letzten Möglichkeiten, anders zu leben, als es die reale Welt bietet, werden wir diese Zuflucht nicht einfach aufgeben und gegen ACTA kämpfen.

ACTA darf niemals beschlossen werden!!!


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